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Gesundheitsamt im Dauereinsatz

Im Rhein-Erft-Kreis greift man auch mal zu unbürokratischen Lösungen und hofft auf eine Entspannung der Lage

Täglich kommen neue Flüchtlinge nach Deutschland. Bei ihrer Ankunft in den kommunalen Notunterkünften werden sie untersucht und ärztlich versorgt. Im Rhein-Erft-Kreis bei Köln ist dafür das Team um Gesundheitsamtsleiter Dr. Franz-Josef Schuba zuständig. Im Interview mit BSW erklärt der Mediziner, was das seinen Mitarbeitern abverlangt.


Herr Dr. Schuba, die Zahl derer, die sich auf den Weg nach Deutschland machen, ist gleichbleibend hoch. Für wie viele Asylsuchende sind Sie derzeit zuständig?

Mit knapp 80 Mitarbeitern betreuen wir etwa 2000 Flüchtlinge in neun Kommunen. Wir achten auf die Einhaltung der Hygienevorschriften in den Unterkünften, besorgen alles vom Impfstoff bis zur Kanüle und prüfen die Kinder auf deren Schultauglichkeit. Zudem koordinieren wir die ärztlichen Untersuchungen. Dabei können wir auf die ehrenamtliche Hilfe von rund 100 niedergelassenen Ärzten sowie Krankenhausärzten und Medizinern im Ruhestand zurückgreifen. Ohne sie wäre diese Aufgabe, trotz der hohen Motivation meiner Mitarbeiter, nicht zu bewältigen.

Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit den zusätzlichen Anforderungen um?

Sie sammeln Überstunden an – und das, obwohl wir unsere eigentlichen Aufgaben auf das Nötigste reduzieren. Doch der Zustrom an Hilfesuchenden erfolgt ja nicht gesteuert. Da ist es egal, ob es Freitagnachmittag oder Wochenende ist. Noch tragen aber alle die Mehrbelastung mit, auch weil das Zusammenspiel mit Feuerwehr, Rettungskräften und Katastrophenschutz stimmt. Zudem sind die Flüchtlinge für die medizinischen Leistungen dankbar. Wir treten ihnen aber auch nicht als Kontrolleure gegenüber, sondern als helfende Mitmenschen.

Welche medizinischen Probleme treten am häufigsten in den Flüchtlingsunterkünften auf?

Da erleben wir die ganze Bandbreite. Von der Erschöpfung über Kriegsverletzungen bis hin zu chronischen Krankheiten wie Tuberkulose, die in Deutschland eigentlich selten ist. Schwierig wird es immer dann, wenn wir aufgrund der Ansteckungsgefahr kranke Personen isolieren müssen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass wir die Gründe dafür verständlich erklären können. Hier unterstützen uns glücklicherweise das Bundessprachenamt und Sprachkundler aus den Kommunen. Außerdem führt die große Zahl der Flüchtlinge gelegentlich zu logistischen Problemen. Kürzlich stellte sich beispielsweise die Frage, wo wir die nötigen Mengen an Impfstoffen temperiert lagern können. Unsere bisherigen Kapazitäten waren nicht auf diese Größenordnung ausgerichtet. Wir haben uns für die pragmatische Lösung entschieden und auf dem kleinen Dienstweg einfach einen Kühlschrank angeschafft.

Angenommen, es käme in den kommenden Monaten nicht zu einer Entspannung der Lage – welche Folgen hätte dies?

Der Grad der Belastung würde weiter zunehmen. Deshalb habe ich mich mit dem Thema auch an höhere Stellen gewandt. Richtig problematisch könnte es werden, wenn es in der kalten Jahreszeit zusätzlich zum Ausbruch eines Infektionsgeschehens kommen sollte. Doch noch agieren wir nach dem Prinzip „Hoffnung“.


  • Flüchtlinge, Gesundheitsamt, Hygiene, Schuba