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ÖD-Aktuell - Neuigkeiten für den Öffentlichen Dienst Nachrichten für den Öffentlichen Dienst Hintergründe, Berichte und Meinungen aus dem Öffentlichen Dienst

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Stiftung der DPolG hilft Helfern

Wenn das Schicksal den Boden unter den Füßen wegzieht

„Was Angehörige der Blaulichtberufe erleben, steht oft mit nüchternen Worten in der Zeitung. Doch was diese Erfahrung mit den Menschen macht, fragt keiner.“ Berend Jochem, DPolG-Stiftungsvorstand, weiß, wovon er spricht. Wie der pensionierte Polizist Betroffene unterstützt, wieder auf die Beine zu kommen, erzählt er im Gespräch mit BSW.


Herr Jochem, das Angebot einer „Auszeit“ in einem der Stiftungshäuser machen Sie Polizisten, Feuerwehrleuten, Justizvollzugsbeamten und Mitarbeitern im Rettungsdienst, die auch ihre Familien mitbringen können. Warum ist Ihre Arbeit nötig?



Herr Jochem und Herr Hoffmann im Interview

Zu uns kommen Menschen, denen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.
Sie haben Schlimmes erlebt und in der Regel schon eine Therapie hinter sich. Doch bevor es wieder in die Dienststelle zurückgeht, liegen oft noch Wochen, in denen sie mit sich und dem Erlebten alleine sind. Bei uns können sie diese Zeit nutzen, um die Therapie nachklingen zu lassen, das Erlebte weiter zu verarbeiten oder als Familie wieder neu zusammenzufinden. Und bei Bedarf haben die Betroffenen hier immer jemanden zum Reden. Jedoch ist unser Angebot nur Hilfe zur Selbsthilfe. Unsere Gäste entscheiden selbst, was ihnen gut tut.



Auch für Fälle, in denen die seelischen Nöte durch Ereignisse im Privatleben verursacht wurden, steht Ihr Angebot zur Verfügung. Warum?



Nehmen Sie einen Polizisten, der sein Kind bei einem Autounfall verloren hat. Was geht in ihm vor, wenn er die Meldung von einem Verkehrsunfall mit Personenschaden bearbeiten muss? Privates und Berufliches kann man nicht immer trennen. Das bezieht sich auch auf solche Fälle, in denen der Betroffene selbst verschuldet in Not geraten ist. Wir verstehen uns deshalb auch wertungsfrei als Freunde derjenigen, die Pech im Leben hatten beziehungsweise derjenigen, die einen Schicksalsschlag zu verkraften haben.



Sie waren 1997 eines der Gründungsmitglieder der Stiftung. Was hat Sie dazu bewogen?



Das Olympia-Attentat von 1972 hatte bei mir selbst zu einem Trauma geführt. Ich habe damals als Polizist die Ohnmacht der Exekutive direkt erlebt, was mich nachhaltig beeinflusst hat. Das Belastende trägt man über Jahre in sich. Das Elend und die Verkrüppelung der Seele interessieren aber keinen. Heute beobachte ich mit großer Sorge, dass sich die Gesellschaft radikalisiert und die Aggression gegenüber Polizisten als der Verkörperung der Staatsmacht zunimmt.



Schlägt sich das in der Nachfrage nach einem Aufenthalt in Ihren Häusern nieder?



Absolut. Die Zahl derer, die diese Art der Hilfe suchen, wird immer größer. In diesem Jahr hatten wir bereits 215 gegenüber 151 im gleichen Vorjahreszeitraum. Besonders schlimme Fälle bekommen wir aus Berlin, eben da, wo die Staatsmacht in der Vergangenheit am meisten geschwächt wurde.
Mittlerweile haben wir vier Häuser mit 17 Appartements und mehrere Bungalows, die über das ganze Jahr etwa zur Hälfte durch Stiftungsfälle ausgelastet sind. Die andere Hälfte nutzen Angehörige der Blaulichtberufe für einen Urlaub und unterstützen über ihre Miete unsere Arbeit. Es versteht sich von selbst, dass alle unsere Besucher gleichermaßen als Urlauber geführt werden.



Reicht das, um die Häuser und deren Erhalt zu finanzieren?



Nein, hier sind wir selbst auf Hilfe angewiesen. Ohne langjährige Förderer wie das Beamtenselbsthilfewerk könnten wir nicht arbeiten. Außerdem erhalten wir als gemeinnützige Organisation Spenden aus Bußgeldern oder durch Aktionen von Kolleginnen und Kollegen vor Ort, wie beispielsweise dem kürzlich durchgeführten Fußballturnier der Blaulichtfreunde Hochtaunus. Diese Kleinspenden sind für uns sehr wichtig. Auf lange Sicht ist es jedoch mein Ziel, so viele Freunde und Förderer zu finden, dass sich die Stiftung selbst tragen kann.



Wofür geben Sie die Gelder aus?



Bei uns fließt kein Geld in die Verwaltung, denn wir sind alle ehrenamtlich tätig. Lediglich die Hausmeisterdienste und das Sekretariat arbeiten mit viel Engagement auf 450 Euro-Basis. Somit kommt alles der Aufrechterhaltung unseres Angebotes und damit den Stiftungsfällen zugute.



Herr Jochem, Sie und Ihre Gattin sind sieben Tage die Woche 24 Stunden für die Stiftung erreichbar. Woher nehmen Sie die Kraft für Ihre Arbeit?



Aus dem, was ich erlebe. Im Gästebuch auf unserer Homepage beschreiben viele Menschen, wie sie der Aufenthalt bei uns auf dem Weg zurück in ihr „normales“ Leben unterstützt hat. Und das macht mich glücklich, selbst dann, wenn es nicht immer gelingt, zu helfen. Ebenso ermutigend empfinde ich es, dass viele unserer ehemaligen Gäste selbst zu Helfern werden. Sie sind die besten Botschafter, die wir haben können.



Wie Sie die DPolG-Stiftung unterstützen können



Wenn BSW-Mitglieder die Arbeit der Stiftung unterstützen wollen, dann können Sie unter folgender Bankverbindung spenden:

Sparda Bank München eG
IBAN: DE70 70090500 0001999 990
BIC: GENODEF1S04
Stichwort: „Stiftung der deutschen Polizeigewerkschaft“

Weiterführende Informationen zu DPolG-Stiftung und den Stiftungshäusern

Die Stiftungshäuser der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft im Kurzporträt



DPolG-Stiftungshaus Lenggries



Das DPolG Stiftungshaus in Lenggries

Bei Bad Tölz, umrahmt von Walchensee, Sylvensteinsee und Tegernsee liegt das ehemalige Ferienwohnheim des Personalrates des Bayerischen Staatsministeriums des Innern in Lenggries. Das wurde ab 2001 für Stiftungszwecke umgebaut und renoviert. Hier stehen fünf Ferienwohnungen, für jeweils vier bis fünf Personen bereit.
Zum Stiftungshaus in Lenggries auf der Seite der DPolG-Stiftung



DPolG-Stiftungshaus Fall



Das DPolG Stiftungshaus in Fall

Die Erholungsmöglichkeiten der Stiftung in Fall liegen direkt am Sylvensteinsee, unweit der Österreichen Grenze. Hier stehen 7 Appartements und drei Bungalows zur Verfügung. 
Im Haupthaus sind Aufenthaltsräume und ein ein Fitnessbereich mit Sauna und Wärmekabine untergebracht. Der große Garten bietet Platz für Ruhe und Erholung. Die Bugalows eignen sich besonders für Familien mit Kindern. Die Ausstattung ist liebevoll und kinderfreundlich.
Zum Stiftungshaus in Fall auf der Seite der DPolG-Stiftung



DPolG-Stiftungshaus Niedernach



Das DPolG Stiftungshaus in Niedernach

Zum Datum unseres Gespräches mit Herrn Jochem wurde das Haus in Niedernach renoviert. Solche Herausforderungen bedürfen vor allem der finanziellen Unterstützung von außen. Die Angaben zum Spendenkonto finden Sie weiter oben.
Zum Stiftungshaus in Niedernach auf der Seite der DPolG-Stiftung


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