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Digitalisierung in der Verwaltung

Droht Deutschland den Anschluss zu verlieren?

Der Normenkontrollrat schlägt Alarm. Laut dem beratenden Gremium für die Umsetzung des Bundesprogramms „Bürokratieabbau und bessere Rechtsetzung" gibt es derzeit keine wirksame digitale Verwaltung in Deutschland. Dieser Einschätzung teilt auch Thomas Langkabel, National Technology Officer von Microsoft Deutschland, im Interview mit BSW.

Herr Langkabel, Sie sind auch Vorsitzender des Arbeitskreises E-Government des BITKOM e.V. und beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Thema. Welche Folgen hat der schleppende Ausbau von E-Government-Angeboten?

Ich sehe eine nachhaltige Beschädigung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und eine Entwicklung der Verwaltung jenseits der Erwartung von Bürgern und Unternehmen. Gleichzeitig wird die Chance vertan, Transparenz zu schaffen, um Arbeitsprozesse entscheidend zu verbessern. Beispiel: Während in Stadt A die Bewilligung eines Bauvorhabens vier Wochen dauert, geht es in Stadt B in der Hälfte der Zeit. Wäre der Prozess transparent, könnte die Arbeitsweise verglichen werden und Stadt A hätte die Möglichkeit, von Stadt B zu lernen. So kocht aber jede Kommune weiter ihr eigenes Süppchen.

Um das zu ändern bräuchte es einheitliche IT-Lösungen wie in anderen europäischen Ländern. Warum tut sich Deutschland damit schwer?

Zum einen haben wir eine andere Staatsstruktur und unser gewollt komplexes System verhindert eine zentrale Steuerung. Gleichzeitig fehlt der politische Wille, die Digitalisierung als Chance zur Modernisierung zu nutzen. Länder wie Österreich, Estland oder Dänemark sind uns hier Jahre voraus. In diesen Ländern wurde nicht nur über die Digitalisierung gesprochen, sondern der politische Gestaltungsauftrag mit Ressourcen und Geldern unterfüttert.

Stichwort Ressource: Vor rund einem Jahr haben Sie öffentlich davor gewarnt, dass die Verwaltungsausbildung die Digitalisierung verschläft. Wurde Ihr Weckruf gehört?

Die Lehrpläne an den Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung haben sich jedenfalls nicht entscheidend geändert. Formal gibt es Inhalte, aber die gehen am Bedarf vorbei. Was wir brauchen, sind Menschen in der Verwaltung, die Trends in der Digitalisierung beobachten und die fachliche Kompetenz haben zu entscheiden, welche Entwicklung sich sinnvoll auf die Verwaltung übertragen ließe. Die Ausbildung in der jetzigen Form ist hierfür jedoch nicht geeignet. Und die Absolventen entsprechender Studiengänge an den Unis gehen im Anschluss nicht in die öffentliche Verwaltung, sondern in die private Beratung.

Könnte ein Generationenwechsel das Problem lösen? Schließlich sind die Digital Natives jetzt im ausbildungsfähigen Alter.

Davon gehe ich nicht aus, denn die Verwaltung muss mit der freien Wirtschaft um die Talente konkurrieren. Im Gegensatz zur Verwaltung kann die Privatwirtschaft prinzipiell aber deutlich leichtfüßiger darauf reagieren: mit höheren Gehältern, flexibleren Arbeitszeitmodellen sowie mobilen und attraktiven Arbeitsplätzen. Der Verwaltung bleiben die Anreize „Sicherheit“ und „Stabilität“, aber auch die verlieren mit fortschreitender Ausweitung befristeter Anstellungsverhältnisse an Kraft. IT-interessierten jungen Menschen fehlt zudem oftmals eine inspirierende Arbeitsumgebung, speziell dann, wenn der Vorgesetzte mit der Digitalisierung nichts anfangen kann.

Und wie schaut es bei den Weiterbildungen von lang gedienten Beschäftigten aus?

Hier sind die Inhalte bereits stärker am Bedarf orientiert, aber ob die Angebote angenommen werden, ist abhängig von der Bereitschaft des Mitarbeiters sich fortzubilden und von den finanziellen Mitteln, die die Behörde dafür zur Verfügung stellt. Daraus ergeben sich große Unterschiede in den Kommunen. Jedoch kenne ich auch sehr positive Beispiele, wie in Hamburg, Moers oder Wennigsen. Dem Bürgermeister in Bad Hersfeld, Thomas Fehling, würde ich sogar eine Start-up-Mentalität attestieren. Mit dieser treibt er die Modernisierung seiner Kommune voran. Aber eine solche Mentalität bekommt man nicht durch Fortbildungskurse.

Und wie schaut es mit der Offenheit in der Bevölkerung für digitale Inhalte und Prozesse aus? Kritiker führen an, dass digitale Angebote wie der elektronische Personalausweis gar nicht gewollt werden.

Gegenfrage: Wollen Sie denn einen Personalausweis? Bürger brauchen das nicht. Sie haben keinen Nutzen davon. Statt Anreize zu schaffen, wurde der elektronische Personalausweis zudem mit Kosten und komplizierten Technologien wie einem eigenen Kartenlesegerät befrachtet. Hier liegt der Fehler im Produkt. Die Entwicklung der Gesellschaft zeigt doch deutlich: Passen Produkt und Handhabung, nutzen die Bürger gerne die Vorteile, die sich durch die Digitalisierung ergeben.


  • BITKOM, E-Government, Digitalisierung, Verwaltung, Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung, Öffentliche Verwaltung, IT, Öffentlicher Dienst