Experten-Interview mit dem ADFC zum Thema „Aktiv im Urlaub mit dem Fahrrad“

Interview: Urlaub mit dem Rad

Experten-Interview zum Thema „Aktiv im Urlaub mit dem Fahrrad“ mit Stephanie Krone, Pressesprecherin ADFC

Stephanie Krone

Egal ob im Urlaub oder zu Hause – Fahrradfahren liegt im Trend. Das freut auch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). In dem gemeinnützigen Verein mit 450 Kreisverbänden und Geschäftsstellen in 80 Städten sind bundesweit mehr als 145.000 Mitglieder or

Frau Krone, eine wachsende Zahl Deutscher will auch im Urlaub aktiv sein. Viele nutzen dafür das Fahrrad. Wie erklären Sie sich das?

Beim Wandern oder auf einer Radreise erholen sich viele Menschen besser - und erleben mehr als am Strand oder im Pool. Mit dem Rad zu reisen ist toll, weil man jeden Tag etwas anderes sieht, Menschen intensiv begegnet und ganz nah dran ist an der Natur. Nebenbei ist es gut für die Gesundheit und die Figur, es ist umweltfreundlich und günstig noch dazu.

Alternativ zur Mitnahme des eigenen Rades besteht in den meisten Urlaubsregionen die Möglichkeit, Räder zu mieten. Welche Vorzüge hat die Mitnahme, welche das Mieten?

Mitnehmen oder Mieten, das ist Geschmackssache. Dem einen ist es wichtig, das eigene Rad dabei zu haben. Denn das passt genau zum eigenen Körperbau, ist richtig eingestellt und reagiert so, wie man es gewohnt ist. Es kostet keine Miete, aber man muss für den Transport zahlen. Der unschlagbare Vorteil eines Mietrades ist natürlich, dass man sich nicht mit dem Transport belasten muss und auch mal was Neues ausprobieren kann. Aber es kostet eine Kleinigkeit – und man weiß nie ganz genau, was man bekommt.

Wenn ich ein Rad mieten möchte, wie finde ich das Exemplar, das zu mir passt?

Der Fahrradvermieter sollte ein geeignetes Mietrad empfehlen können. Am besten fährt man erst einmal ein paar Kilometer, um zu sehen, ob es wirklich passt. Wenn man mitten auf einer 80-Kilometer-Tour merkt, dass etwas nicht stimmt, kann das sehr ärgerlich oder schmerzhaft sein.

Sind E-Bike und Pedelec nur zwei unterschiedliche Begriffe für das Gleiche? Und was wird üblicherweise bei der Vermietung angeboten?

Wenn Sie ein Elektrofahrrad mieten, handelt es sich dabei fast immer um ein Pedelec. Die Begriffe „E-Bike“ und „Pedelec“ werden im Alltag oft synonym verwendet – es gibt aber Unterschiede. Ein Pedelec ist ein Fahrrad mit Motorunterstützung, man muss aber treten. Der Motor unterstützt bis 25 Stundenkilometer. Nur mit dieser Art von Elektro-Fahrrad darf man uneingeschränkt auf Radwegen fahren.

Der zweite Typ sind sogenannte S-Pedelecs, deren Motor bis 45 Stundenkilometer unterstützt – das sind aber keine Fahrräder mehr, sondern Kleinkraftfahrzeuge. S-Pedelecs brauchen ein Kennzeichen, man muss eine Fahrerlaubnis der Klasse AM haben, einen Helm tragen und darf den Radweg nicht benutzen.

E-Bikes sind eine dritte Kategorie. Sie funktionieren wie Elektromofas, also auch ohne in die Pedale zu treten. Auch hier braucht man ein Kennzeichen und dazu eine Mofa-Prüfbescheinigung. E-Bikes dürfen innerorts nur auf Radwegen fahren, wenn sie mit dem „Mofa frei“-Schild gekennzeichnet sind. Wer also auf Radwegen unterwegs sein will, sollte ein normales Pedelec wählen.

Es gibt in Deutschland also gesetzliche Regelungen, die ich unter Umständen bei der Nutzung von Elektrorädern beachten muss. Und wie sieht es diesbezüglich im Ausland aus?

Im Ausland können die Verkehrsregeln anders sein. In der Schweiz beispielsweise sind S-Pedelecs auf Radwegen erlaubt. Im Zweifel sollte man den Fahrrad-Vermieter im Gastgeberland fragen, ob Fahrerlaubnis und Helm vorgeschrieben sind und welche Straßen und Wege man meiden sollte.

Gibt es bestimmte Ausstattungsmerkmale, auf die ich bei der Anmietung eines Pedelecs achten sollte?

Die Gangschaltung sollte dem Gelände angepasst sein, mit einer Dreigangschaltung wird man in den Alpen keine Freude haben. Auch die Bereifung muss passen. Straßenreifen im rauen Gelände machen die Tour schnell zur Qual, Stollenreifen auf Asphalt-Touren sind wegen der Abroll-Geräusche und des hohen Rollwiderstands ebenfalls nicht zu empfehlen. Ansonsten sollte man sich auf dem Rad wohlfühlen, damit man auf der Tour bei Laune bleibt.

Welche Rolle spielen Pedelecs ihrer Einschätzung nach im Fahrradtourismus? Und wie beurteilen Sie diesen Trend?

Das Pedelec bringt immer mehr Menschen aufs Fahrrad – im Alltag und auch im Fahrradtourismus. Während die Elektro-Räder in den Bergen bei den Steigungen helfen, sorgen sie im Flachland für entspanntes Fahren auch bei Gegenwind. Und auf dem Weg zur Arbeit helfen sie vielen neuen Nutzern, unverschwitzt und bürotauglich ans Ziel zu kommen.

Die neue Modellvielfalt macht die Nutzung von Pedelecs zunehmend auch für junge und sehr sportliche Zielgruppen interessant. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Tourismusbranche reagiert darauf mit dem Aufbau flächendeckender Verleihsysteme mit Lade- und Reparaturstationen oder eigenen regionalen Systemen wie beispielsweise der E-Bike-Region Stuttgart.

Ihr persönlicher Geheimtipp für einen Kurzurlaub auf dem Rad?

Mit meinem fünfjährigen Sohn fahre ich auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg bis an die Müritz – und vielleicht auch wieder zurück. Sobald wir aus Berlin raus sind, gibt es nur noch Natur mit Fischreihern und Kormoranen. Wasser zum Baden und Keschern ist immer in der Nähe - erst folgt man der Havel und dann ist man auch schon mitten in der wunderschönen Mecklenburgischen Seenplatte.


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